Meine Arbeitsweise
Beziehungen sind komplex. Menschen noch mehr. Und wer glaubt, für beides gäbe es eine allgemeingültige Lösung, unterschätzt meistens schon das Problem.
Die meisten Menschen wissen ziemlich genau, was sie an ihrer Beziehung belastet. Sie können ihre Konflikte beschreiben, die Verhaltensweisen des anderen analysieren und häufig sogar erklären, was sich dringend ändern müsste- zumindest beim anderen.
Schwieriger wird es, wenn wir den Blick auf das richten, was wir selbst zu einer Dynamik beitragen. Nicht, weil wir grundsätzlich weniger reflektiert wären, als wir glauben. Sondern weil wir unser eigenes Verhalten selten unabhängig von den Erfahrungen, Erwartungen und Reaktionen betrachten, die es beeinflussen.
Genau hier beginnt die systemische Perspektive.
Ein Konflikt entsteht nicht im luftleeren Raum. Menschen reagieren aufeinander, interpretieren das Verhalten ihres Gegenübers und entwickeln daraus Erwartungen, die wiederum ihr eigenes Handeln bestimmen.
Wer sich beispielsweise zurückzieht, möchte möglicherweise einen Streit vermeiden. Beim Gegenüber kann genau dieser Rückzug jedoch das Gefühl auslösen, nicht ernst genommen zu werden. Die Folge sind weitere Gesprächsversuche, zunehmender Druck und schließlich noch mehr Rückzug.
Am Ende fühlen sich beide in ihrer Wahrnehmung bestätigt. Und beide tragen, häufig ohne es zu beabsichtigen, dazu bei, dass sich genau die Situation wiederholt, unter der sie leiden.
Die Frage ist deshalb nicht nur, weshalb sich ein Mensch auf eine bestimmte Weise verhält. Sondern auch, was dieses Verhalten beim anderen auslöst und wie beide Reaktionen miteinander zusammenhängen.
In meiner Arbeit betrachten wir solche Wechselwirkungen genauer. Dabei berücksichtige ich nicht nur die gegenwärtige Beziehungssituation, sondern auch biografische Erfahrungen, familiäre Prägungen, persönliche Wertvorstellungen und gesellschaftliche Einflüsse.
Menschen bringen mehr in eine Beziehung mit als ihre Persönlichkeit. Sie bringen Vorstellungen davon mit, wie Nähe funktioniert, wie Konflikte ausgetragen werden, welche Erwartungen an Partnerschaft bestehen und welche Rolle sie selbst darin einzunehmen haben.
Manche dieser Vorstellungen sind bewusst gewählt. Andere wurden so selbstverständlich übernommen, dass sie erst auffallen, wenn jemand mit ganz anderen Erwartungen auf sie trifft.
Es geht es nicht darum, jede Schwierigkeit auf die Kindheit zurückzuführen oder für jedes Verhalten eine psychologische Erklärung zu finden. Nicht alles ist ein tief verwurzeltes Bindungsmuster. Manchmal sind Menschen schlicht unterschiedlicher Meinung. Und manchmal stehen hinter einem Konflikt tatsächlich unvereinbare Bedürfnisse oder Lebensvorstellungen.
Eine fundierte therapeutische Auseinandersetzung muss unterschiedliche Möglichkeit zulassen und aufgreifen.
Meine Arbeitsweise ist analytisch, ressourcenorientiert und ergebnisoffen. Ich betrachte unterschiedliche Perspektiven, hinterfrage bestehende Annahmen und arbeite gemeinsam mit den Beteiligten daran, die Zusammenhänge hinter ihren Konflikten nachvollziehbar zu machen.
Dabei interessiert mich nicht nur, was bisher nicht funktioniert hat, sondern ebenso, welche Fähigkeiten, Erfahrungen und Möglichkeiten bereits vorhanden sind. Veränderung entsteht nicht allein dadurch, dass Probleme erkannt werden. Entscheidend ist, was Menschen mit diesen Erkenntnissen anfangen können.
Ob daraus eine veränderte Beziehungsgestaltung, ein neuer Umgang innerhalb der Familie oder die Entscheidung für eine Trennung entsteht, lässt sich nicht im Voraus bestimmen.
Das Ziel einer Therapie ist nicht, Menschen davon zu überzeugen, zusammenzubleiben. Es geht vielmehr darum ihnen zu ermöglichen, ihre Beziehungen und Entscheidungen auf einer Grundlage zu gestalten, die über alte Gewohnheiten, gegenseitigen Vorwürfen und Ratschlägen hinausgeht.